Die Digitalisierung hat eine neue Form von Öffentlichkeitsverständnis für Menschen mit sich gebracht. Selbst Jugendliche und Teenager können heute eine Karriere als YouTube-Star oder Instagram-Berühmtheit starten. Wir erwarten, dass hochrangige Manager und Führungskräfte eines Unternehmens ebenso präsent in Social Media B2B sind. Lesen Sie heute, warum es notwendig ist, sich selbst und seine Auffassung zum Unternehmen und zum Produkt publik zu machen.

Der Manager als „Superstar“?

Steve Jobs hat sich wie kein anderer als Vordenker des gesamten Unternehmens positioniert. Im Laufe der Jahre sind nach und nach weitere Führungskräfte von Apple mit bei den wesentlichen Präsentationen erschienen. Weil ich Steve Jobs persönlich als Chef kannte, als ich Mitte der 1980er Jahre Marketingchef für NeXT Computer in Deutschland war, kann ich aus erster Hand sagen, dass er mit Sicherheit nicht von Natur aus ein bühnentauglicher Präsentator war. Er hat das jedoch erlernt. Ich denke, das können wir von uns und unseren Führungskräften ebenfalls erwarten.

Beginnen Sie mit einer erfahrenen Video-Agentur, und zeichnen Sie Ihre ersten Videos im Interviewstil auf. Das wirkt vertraut, weil wir diese Kameraeinstellung aus vielen Fernsehsendungen kennen. Dabei steht die Kamera Ihnen gegenüber und filmt Sie, wobei Sie knapp neben der Kamera den Interviewleiter ansehen. Sie blicken also nicht direkt in die Kamera. Für viele weniger medienerfahrene Menschen ist es angenehmer, wenn man in ein reales Paar Augen sieht, während man spricht. Dann ist es einfacher, nicht verklemmt oder irgendwie seltsam zu klingen.

Machen Sie sich mit Videos interessant

Beginnen Sie mit einem kurzen, fünf bis zehn Minuten langen Video pro Quartal, in dem Sie einen wesentlichen Aspekt des Unternehmens in die Öffentlichkeit tragen.
Im Laufe der Zeit können Sie weitere Interviewpartner mit hinzubringen. Lassen Sie Ihren Marketing-, Vertriebs-, Technik- oder Kundendienstleiter aus seinem Ressort berichten. Wenn Sie wissen wollen, wie das aussehen kann, sehe ich als eines der Vorbilder tatsächlich ein Video einer Produktankündigung von Apple zu Steve Jobs‘ Lebzeiten.
Je mehr Übungen Sie auf diese Art und Weise sammeln, desto einfacher wird es für Sie sein, auch unvorbereitet vor eine Kamera und ein Mikrofon zu treten. Die Routine im Umgang mit diesen Medien ist relativ schnell zu erlernen, wenn man regelmäßig Erfahrung damit macht. Grundsätzlich ist jede Führungskraft und jeder Verkäufer – die in ihren Arbeitsleben sowieso bestimmte Kommunikationsanforderungen erfüllen müssen – auch dafür geeignet, vor der Kamera zu sprechen.

Social Media im B2B professionell nutzen

Ihr Engagement auf Social Media ist zwar nicht direkt von Ihren Fähigkeiten vor der Kamera abhängig, jedoch eine willkommene Ergänzung. Lassen Sie sich von einem Profi eine Firmenseite auf den Plattformen LinkedIn, XING, Facebook, YouTube und Slideshare einrichten. Alle wichtigen Führungskräfte sollten ebenfalls ein persönliches Profil auf LinkedIn, XING, und Facebook haben. Wenn Sie ein jüngeres Publikum ansprechen, zusätzlich noch auf Instagram.

Sorgen Sie dafür, dass auf den Unternehmensseiten regelmäßig Inhalte, Bilder, Videos, Präsentationen und andere Inhalte veröffentlicht werden, die für Ihre Zielgruppe relevant sind. Das sollten nicht nur firmeninterne Themen sein, sondern vor allem Inhalte, die unabhängig davon für die Zielgruppe interessant sind. Sobald solche Inhalte auf der Firmenseite erscheinen, sollten Sie und Ihre wichtigsten Führungskräfte diese Inhalte auf den eigenen Profilen teilen und kommentieren. So könnten Sie beispielsweise ein Video, wie oben beschrieben, auf der Unternehmensseite veröffentlichen und dieses dann von allen relevanten Führungskräften in ihren jeweiligen Social Media-Profilen teilen und individuell kommentieren lassen. Das kann in einem gewissen Zeitabstand von mehreren Wochen auch mehrmals geschehen. So kann derselbe Inhalt mehrmals geteilt und kommentiert werden, weil dadurch in Summe eine größere Reichweite entsteht.

Reichweite vergrößern

LinkedIn und Facebook bieten die Möglichkeit an, dort auf Unternehmensseiten veröffentlichte Beiträge an eine größere Zielgruppe als die Ihrer bisherigen Kontakte auszuliefern. Die Kosten dafür sind vergleichsweise gering. Beispielsweise kostet bei Facebook die Auslieferung eines Videos ca. zwei Cent pro Betrachter, der es mindestens 10 Sekunden gesehen hat (Stand Juli 2018). Damit lassen sich mit relativ kleinen Geldbeträgen große Zielgruppen erreichen. Weil diese Zielgruppen anhand der in den jeweiligen Profilen hinterlegten Informationen relativ genau selektiert werden können, kann auf diese Art und Weise mit geringen Streuverlusten eine vergleichsweise hohe Wirkung erzielt werden. Dabei ist es wichtig, dass die Inhalte, die auf diese Art beworben werden, nicht werblich sind, sondern eine wichtige Information für die Zielgruppe enthalten.

Unternehmen oder Medium

Vor allem konservativ eingestellte Unternehmer halten die Forderung nach Öffentlichkeit für übertrieben. In persönlichen Gesprächen höre ich oft das Argument, dass man ja schließlich kein Medienunternehmen sei, sondern beispielsweise ein Maschinenbauer.
Meine Erwiderung auf solche Einwürfe ist, dass in Zukunft alle Unternehmen in erster Linie Medienunternehmen sein werden und erst in zweiter Linie das, was sie heute sind. Um die Kunden der Zukunft zu erreichen, müssen wir dies akzeptieren.
Die Generation meiner Kinder würde etwas, dass man im Internet nicht findet, als nicht existent bezeichnen. Eine Führungskraft, die im digitalen Netz nicht auftaucht, existiert folglich nicht – zumindest nicht in der Generation der nun nachfolgenden Entscheider. Jeder, der Kunden erreichen will, muss daher wie ein Medienunternehmen denken.

Öffentlichkeit ist für jedes Unternehmen wichtig. Nutzen Sie Social Media, um im Kopf Ihrer B2B-Kontakte zu bleiben und Ihr Unternehmen zukunftssicher zu machen.